Du betrachtest gerade „Leben zwischen Aufbruch und verheißenem Ziel“ – Erste Synode des neu gegründeten Kirchenkreises Köln-Linksrheinisch

Mit der konstituierenden Synode im Bergheimer Medio ist der neue Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch offiziell an den Start gegangen – geistlich, organisatorisch und mit klaren Signalen für die Zukunft. Der gemeinsame Weg, Kirche zu sein, und zahlreiche formale Schritte prägten die erste Synode des neuen Kirchenkreises. Die drei Kirchenkreise Köln-Nord, Köln-Mitte und Köln-Süd sind zum Jahresbeginn zum Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch fusioniert. Zur ersten Synode trafen sich 158 Synodale im „Medio.Rhein.Erft“.

Dialogpredigt zum Neubeginn: Zwischen Aufbruch und Verheißung

Die Synode begann mit einem Abendmahlsgottesdienst in der Christuskirche Zieverich. Liturgisch gestaltet wurde er von Markus Zimmermann, Superintendent des Kirchenkreises Köln-Nord bis Ende 2025, sowie von Mitgliedern des Bevollmächtigtenausschusses (BVA). Die Predigt hielten Miriam Haseleu, zuvor Synodalassessorin im Kirchenkreis Köln-Mitte, und Bernhard Seiger, ehemaliger Superintendent des Kirchenkreises Köln-Süd. Als roten Faden wählten sie die Mosebücher – vom Aufbruch aus Ägypten über die Wüstenwanderung bis zur Landnahme – unter dem Leitwort: „Leben zwischen Aufbruch und verheißenem Ziel.“ Immer wieder wurde die Predigt durch Zitate aus diesen Büchern ergänzt.

Miriam Haseleu und Bernhard Seiger im Dialog

Rund 60 Jahre haben die drei Kirchenkreise existiert. Das sei nun Geschichte, fasste Bernhard Seiger zusammen und verwies darauf, dass dies so in den Chroniken stehen werde. Weiter sagte er: „Aber vielleicht denken wir: Früher war es doch so schön, man hatte genug Geld, es gab genug Personal, und es gab viel Nachwuchs, und wir konnten ziemlich viel gestalten. Es gab vertraute Orte, Michaelshoven, die Kirche, das Berufsförderungswerk, man kannte jeden, es war alles eingespielt. In Köln-Nord hatte man die Fünf-Prozent-Mittel und konnte damit flexibel gestalten, was nötig war.“

Angesichts schrumpfender Mitgliedszahlen seien die bisherigen Strukturen jedoch nicht mehr zukunftsfähig gewesen. „Also: Aufbruch, Veränderung.“ Miriam Haseleu setzte fort: „Im Bibeltext höre ich: Der Aufbruch geschieht auf Umwegen. Leicht ist es nicht, die vertraute Struktur hinter sich zu lassen und in das neue, unbekannte Leben aufzubrechen. Die verschiedenen Kulturen unserer Kirchenkreise bleiben und verändern sich, wenn wir es zulassen, zu einer neuen gemeinsamen Kultur.“ Seiger hob die Bedeutung von Begegnungen im Prozess des Zusammenwachsens hervor: „Die entscheidende Frage ist: Siehst du mich? Sehe ich die anderen? Ist das nicht das, was wir versuchen? Wir leiten gemeinsam. Wir stützen einander. Gemeinschaft stärkt uns.“ Er appellierte an die Synodalen: „Ich bin offen für das, was kommt. Unser Kirchenkreis ist jetzt das neue Land. Jetzt geht es ums Gestalten. Dafür brauchen wir jede und jeden von Euch!“

Die Kreiskantoren des neuen Kirchenkreises gestalteten den Gottesdienst gemeinsam. Die musikalische Bandbreite von Samuel Dobernecker, Thomas Pehlken und Johannes Quack reichte von klassischer Orgelmusik bis zu Jazz mit Keyboard, Schlagzeug und Saxophon. Sie zeigten, welchen Schatz der neue Kirchenkreis auch musikalisch besitzt.

„Gottes Vision ist nicht abhängig vom Haushalt“ – Grüße von VEM und Landeskirche

Wibke Janssen und Volker Haarmann,

In einem gemeinsamen Grußwort erinnerten Oberkirchenrätin Dr. Wibke Janssen und Dr. Volker Haarmann, beide Vertreter der Landeskirche, an das EKD-Projekt „Einfach heiraten“. „Sie tun sich zusammen“, so Haarmann zu den Synodalen. „Aber schon eine Hochzeitsfeier kann zur Herausforderung werden.“ Schließlich träfen sich dort häufig sehr unterschiedliche Familien. „Die eigentliche Herausforderung aber ist der Alltag“, ergänzte Janssen. Haarmann zitierte aus dem Buch Prediger: „Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.“ Janssen führte aus: „Die drei Kirchenkreise sind nicht wie Stränge, die man nebeneinander legt. Sie verflechten sich. Es entsteht etwas Neues, eine tragfähige Gemeinschaft.“

Pfarrer Dr. Andar Parlindungan, Generalsekretär der Vereinten Evangelischen Mission (VEM), betonte in seinem Grußwort, dass Kirche durch Verbundenheit stark sei, nicht durch Größe. „Gottes Vision ist nicht abhängig vom Haushalt“, sagte er. Die Jugend frage heute nach Sinn, Gerechtigkeit und globaler Verantwortung – nicht nach Verwaltungsstrukturen.

„Das ist unsere Biographie“ – Junge Delegierte fordern Haltung und Beteiligung

Begeisterten Applaus erhielten Elias Rinsche, Pio Fayner, Nina Brucksch und Emilia Dahmen für ihren „Zwischenruf der jungen Generation“ kurz vor der Mittagspause. Damit setzte die Synode eine Tradition des ehemaligen Kirchenkreises Köln-Süd fort. In dem gemeinsamen Statement erinnerte Pio Fayner daran, dass junge Menschen in den vergangenen Jahren eine „Dauerüberforderung“ erlebt hätten. Er nannte Corona, Klimakrise, unsichere Rentenperspektiven, steigende Mieten, Kriege weltweit und die Wehrpflichtdebatte in Deutschland. Hinzu komme das Erstarken rechter Kräfte. „Für uns ist das kein Abschnitt. Das ist unsere Biographie“, stellte er fest. Kirche müsse gerade für junge Menschen Räume bieten, in denen sie sein und sich entwickeln könnten. Es fühle sich jedoch teils an, als schaue man nur zu. Junge Menschen seien in der Kirche unterwegs, doch ihre Räume seien ungewiss. „Wir müssen nicht junge Menschen für Kirche neu gewinnen, sondern mit denen gestalten, die da sind.“

Elias Rinsche berichtete von einer EKD-Tagung zum Thema Rassismus und Kirche. „Kirche muss glänzen durch gelebte praktische Moral“, rief er den Synodalen zu. Wenn man Räume für die AfD öffne, schließe man sie für andere. „Anti-Rassismus-Workshops scheitern oft an fehlendem Geld, fehlenden Räumen und fehlenden Menschen“, sagte er weiter. Emilia Dahmen verwies auf die Bedeutung der Evangelischen Studierendengemeinden (ESG): „Es gibt zu wenige Angebote für Jugendliche in den Gemeinden. Die ESG holen junge Menschen in die Kirche zurück.“ Nina Brucksch sprach über Machtgefälle in Gemeinden, etwa zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen. „Wer den Zugang zum Gemeindezentrum hat, besitzt Macht über die Angebote, die dort gemacht werden.“

Bevollmächtigtenausschuss gewählt: Leitung des Kirchenkreises bis 2028

Neben zahlreichen Beschlüssen zu Satzungen und Haushaltsabschlüssen bestätigten die Synodalen durch Wahl die Mitglieder des BVA, der den Kirchenkreis bis 2028 leitet. Dann wird ein neuer Kreissynodalvorstand gewählt. Den Vorsitz hat bis dahin Pfarrer Markus Zimmermann; seine Stellvertretungen übernehmen Pfarrerin Miriam Haseleu und Pfarrer Bernhard Seiger. Weitere Mitglieder sind Pfarrerin Monika Crohn, Pfarrer Christoph Rollbühler und Pfarrer Michael Miehe. Als nicht-theologische Mitglieder gehören dem Ausschuss an: Karola Mischak-Struckmann, Gabriele Orbach, Sebastian Wolfram, Dr. Heike Henneken, Annette de Fallois, Mathias Kämper, Dr. Dirk Ehle, Dr. Markus Schulz und Heike Kümpel. Auf der Landessynode vertreten den Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch die Pfarrer Bernhard Seiger, Oliver Kießig und Markus Herzberg. Als nicht-theologische Mitglieder wurden Gabriele Orbach, Jörg Krautmacher, Annette de Fallois und Mirko Sobetzko gewählt.

Gabriele Orbach, Leiterin des Finanzausschusses, legte den ersten Haushalt des Kirchenkreises für das laufende Jahr vor. Bei 7,4 Millionen Euro Erträgen und 7,3 Millionen Euro Aufwendungen ist ein Überschuss von 127.690 Euro vorgesehen. Vergleichszahlen gebe es noch nicht; daher seien die Haushaltsansätze der drei früheren Kirchenkreise addiert worden.

Engagement gefragt: Krankenhausseelsorge und Kirchentag 2027

Caroline Schnabel, Krankenhausseelsorgerin an der Uniklinik Köln und im Evangelischen Krankenhaus Weyertal, richtete einen eindringlichen Appell an Pfarrpersonen, Prädikantinnen und Prädikanten sowie Ehrenamtliche, sich an der Rufbereitschaft in den Kliniken zu beteiligen. „Ich bin froh, dass sich unsere Kirche das noch leistet. Da haben wir ein Alleinstellungsmerkmal. Eine seelsorgerische Rufbereitschaft hat sonst niemand“, sagte sie. Allerdings sei die Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft an allen Tagen im Jahr mit neun Personen auf 7,25 Stellen kaum zu leisten.

Susanne Hermans und Martin Kran, Landeskirchenbeauftragte für den Kirchentag 2027 in Düsseldorf, warben für Beteiligung. Der Kirchentag steht unter dem Motto „Du bist kostbar“. „Wer macht den Kirchentag?“, fragte Kran und antwortete: 15.000 Mitwirkende, bis zu 150.000 Besucherinnen und Besucher sowie 4.000 bis 5.000 freiwillig Helfende, die mindestens 18 Jahre alt sein müssten. Wer mitwirken wolle, sollte sich den 18. März vormerken; dann beginne die Anmeldefrist. Stadtsuperintendent Bernhard Seiger schloss mit einer Aufforderung: „Wir wollen als Kölner in Düsseldorf sichtbar sein.“

Über den Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch

Markus Zimmermann beendete die Synode am Nachmittag im Bergheimer Medio. Die nächste Synode des Kirchenkreises findet am 7. November 2026 in Köln statt. Zum Evangelischen Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch gehören rund 146.000 Mitglieder in 29 Kirchengemeinden.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann / APK

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